Filmreihe „Remember what’s forbidden!“

Bis einschließlich September werden wir an jedem 3. Mittwoch einen Film zu Abtreibung zeigen. Es wird jeweils eine kurze Einführung in das Thema geben, dann den jewiligen Film und anschließend die Möglichkeit zu Nachfragen und Diskussion.
Ort: f.a.q. antisexistischer Infoladen, Jonasstr. 40, Berlin-Neukölln, U8 Leinestrasse
Geöffnet ab 19.00 Uhr, Film ab 20.00 Uhr. Für Getränke ist gesorgt.

16.06.: Citizen Ruth

Citizen Ruth(engl.)/Baby Business (dt.). R: Alexander Payne. US: 1996
Eine junge Drogenabhängige (umwerfend: Laura Dern) erwartet ihr viertes Kind. Da alle anderen bereits bei Pflegeeltern leben und ihr ein Knastaufenthalt bevorsteht, rät ihr ein Richter zur Abtreibung. Im Gegenzug würde man dann die Haftstrafe fallenlassen. Ein gefundenes Fressen für die fanatischen Abtreibungsgegner, die sich der Frau annehmen und sie für ihre Zwecke nutzen wollen. Doch sie haben nicht mit ihren Gegnern gerechnet! Beissende Satire über die Abtreibungsproblematik in den USA. Great Fun!

21.07.: Cyankali, D, 1930, 89 Min., deutsch, s/w, ohne Sound, mit Zwischentafeln, R.: Hans Tintner, nach dem gleichnamigen Theaterstück von Friedrich Wolf
Friedrich Wolfs Theaterstück „Cyankali“ und der gleichnamige Film entstanden als Teil einer Kampagne gegen den § 218, die auf Initiative der KPD Ende der 1920er breite Unterstützung bis in linksliberale Milieus fand. Ärzt_innen und Sexualaufklärer_innen, aber auch zahlreiche prominente Intellektuelle (darunter Albert Einstein, Magnus Hirschfeld, Sigmund Freud, Hedwig Courths-Mahler, Alfred Döblin, Bert Brecht, etc.) sprachen sich öffentlich gegen das Abtreibungsverbot aus, schrieben Artikel, Romane und Theaterstücke. Es gab Wanderausstellungen, Massenveranstaltungen und Agitprop-Theater. Erich Kästner beschreibt, wie das Publikum während einer Aufführung von „Cyankali“ lautstark seine Empörung über den „Schandparagrafen“ kundtat. Nicht selten wurden nach dem letzten Akt spontan Komitees zum Kampf gegen den § 218 gegründet.

18.08.: Palindromes, USA, 2004, R.: Todd Solondz, dt./engl.?
Die dreizehnjährige Aviva wünscht sich nichts sehnlicher, als möglichst bald ein Baby zu bekommen. Als sie schwanger wird, zwingt ihre Mutter sie zu einer Abtreibung. Daraufhin reißt sie von zu Hause aus und begegnet auf ihrer Reise durch die USA allerlei skurrilen, spießigen, netten und furchtbaren Menschen.
Die Hauptfigur wird von mehr als einem halben Dutzend Darstellerinnen gespielt, so dass jeder Alter, äußere Ähnlichkeit oder Hautfarbe eine Rolle spielen. Dadurch entsteht ein Entfremdungseffekt, der die Geschichte um Hässlichkeit und Spießertum, Mißbrauch und christlichen Fundamentalismus, Gewalt und Liebe in all ihrer Traurigkeit zusätzlich sehenswert macht.

15.09.: Kurzfilm über die Vefassungsklage in Kolumbien (Kolumbien, 2008, 15:48 min);
Frozen Angels, USA, 2005, R.: Frauke Sandig, Eric Black, Doku, OmU

Bill Handel ist in Kalifornien Moderator einer beliebten Radio-Talkshow und gleichzeitig Inhaber einer gut organisierten Leihmutteragentur in Beverly Hills, seiner Auskunft nach der größten der Welt. Die Agentur verheißt: perfekt modellierte Kinder! Der Film begleitet Ei-Spenderinnen, Leihmütter, unfruchtbare Paare, renitente Wunschkinder und sonstige Beteiligte und erklärt den aktuellen Stand der kalifornischen Reproduktionstechnologie. – Brilliant gefilmt, fundiert und mit hintergründigem Humor aufgewertet mutet FROZEN ANGELS wie ein Science-Fiction-Abenteuer an, und ist doch eine Dokumentation über eine Zukunft der Reproduktionstechnologie, die längt die Gegenwart ist.

und davor: Kurzdoku über eine Verfassungsklage un Kolumbien gegen das dortige Abtreibungsverbot
Im April 2005 strengte Women’s Link Worldwide eine Verfassungsklage gegen das absolute Abtreibungsverbot an. Die Doku zeigt den juristischen Prozeß und die gesellschaftliche Debatte, die sich darum entspann.